Heddersdorf – geschüttelt und gereimt

Unser schönes Heddersdorf wird 675 Jahre alt,
herrlich gelegen, umringt von Wiesen und Wald.
Die Bundesstraße vor der Tür, auch die Autobahn ist nicht fern,
alle, die im Dörfchen wohnen, die leben hier gern.
Hoch oben der Eisenberg – als Ausflugsziel bekannt,
unten im Tal seien noch Aula und Kittelbach genannt.
Früher wurd´ an den Wassern die Wäsche geblichen,
längst ist die Tradition einer Maschine gewichen.
Die Traditionen – davon lebt die Welt – und somit auch wir,
sie erhalten und zu pflegen, darum sind wir hier.

Groß gepflegt werden im Dorf die Vereine auch,
angefangen bei der Feuerwehr, das ist ein wichtiger Brauch.
Die retten, löschen, bergen und schützen die Leut´,
das war schon früher so, und so ist´s auch noch heut´.
Die Geselligkeit der Herren musste finden einen Ort schon bald,
drum bauten sie eigens dafür eine Hütte im Wald.
Alle hämmerten, strichen und packten mit an,
Führer der Wehr war zu der Zeit Hans Linnemann.
Dort wird gelöscht seit fast drei Jahrzehnten – besonders über den Durst,
für´s leibliche Wohl gibt´s Steaks vom Grill und selbstverständlich auch Wurst.
Heut´ macht´s der Reinhold – auch der setzt sich ein,
die Mittelberghütte wurde immer reiner und fein.
Die Männer des Spritzzugs opfern Freizeit und setzen ein ihr Talent,
Bernd, Dieter, Ewald, Gert, Jürgen, Oli und Thorsten – Leute, die Ihr alle kennt.
Fließend Wasser, Strom für Musik und auch ein richtiges Klo –
mit Spülung – und das mitten im Wald – gibt´s das sonst noch wo?

Einer, der auch ´mal war bei der Wehr keine graue Maus,
sitzt heute als Chef der Gemeinde im Kirchheimer Rathaus.
Manfred Koch von den Mountains – der vom Schmidt´s Berg,
verrichtet als Bürgermeister der Großgemeinde sein Werk.
Wir kennen ihn alle – früher bracht´ er die Post – war immer sehr nett,
heut´ kommt er öfters aus Amtsgründen sehr spät zur Doris ins Bett.
1972 wurde Heddersdorf die Eingemeindung geschenkt,
bis dahin hatte Jakob Vaupel die Geschicke gelenkt.
Einer vom alten Schlag, mit barockem Schreibtisch im Haus,
heute geht nichts mehr ohne Computer – ist das nicht ein Graus?
Früher spielten die Kinder draußen am Feld – an jedem Ort,
mittlerweile sind Internet und Handy das Zauberwort.

Dank Arbeit von Dorf und Gemeinde gibt´s ´nen Spielplatz hier,
gedacht für die Kleinen zwischen zwölf und vier.
Omas und Mütter sitzen dabei und halten ´nen Schwatz,
früher war Diehl´s „Paradies“ an diesem Platz.
Anni und Wilhelm – ein Paar der besonderen Güte,
verdienten sich auf der Kirmes ein Teil ihrer Miete.
Was war´n das für Zeiten, als noch Kirmes war im Mai,
die Burschenschaft brauchte eine Woche lang frei.
Auf´m Kurt seiner Wiese wurde geschuftet bis spät in die Nacht,
ganz bestimmt hat man´s jedoch gerne gemacht.
In ´90 wurde die Letzte im Gärtchen begraben,
schade, dass wir diesen Brauch heut´ nicht mehr haben.

Doch alte Bräuche werden wieder belebt –
ein Verein für die Dreschmaschine wurde angestrebt.
Einige Herren kümmern sich um die „alte Dame“ ganz rührend,
zu Vorführzwecken ist sie – auch gemeindeübergreifend – führend.
Dreschen gehört zur Landwirtschaft und ist im Dorf nicht zu entbehren,
an dieser Stelle sollten wir den August Diebel ´mal ehren.
Die Familie führt einen Hof, mit allen Tieren, die es gibt,
ich kenne keinen, der seine Arbeit im Freien so liebt.
Unterwegs mit Traktor, Mähdrescher und um das Stroh zu pressen,
nie hat er im Sommer das Getreide der „Kleinen“ vergessen.
Zu seinen Kollegen zählen kann man Vaupel´s Heini und Berk´s Helmut,
Vaupel´s Jakob machte mit Bruder Helmut seine Sache auch ganz gut.
Neumodisch bestellen Fischer´s Jochen und Karl Steinert die Felder,
sie bauen Erbsen an und sorgen für Sonnenblumen-Wälder.

Auch Nuhn´s haben schon seit jeher zu tun mit vielen Tieren –
in Heddersdorf steigen sie noch ein auf allen Vieren…
doch sind sie erst von Willi und Frank nach Kassel gebracht,
wird aus ihnen Fleisch, Wurst und auch Kosmetika gemacht.
Zum Viehhandel gehörte auch eine Kneipe für Gäste,
über ganzes Jahrhundert feierte man bei „Weckes“ großartige Feste.
Alt und jung, Vereine und Stammtische fanden sich ein,
doch irgendwann – meint´ die Lisbeth – muß auch ´mal ein Ende sein.
Der Treffpunkt war zu – und allen wurd´ bang –
aber schließlich fackelte man nicht lang´…
es wurd´ sich erinnert an einen kleinen Raum,
im alten DGH, der genutzt wurde kaum.
Das „Flämmchen“ entstand – alle halfen wie immer,
gemütlich ist´s dort – ähnelt daheim dem Wohnzimmer.
Man(n) trinkt drin sein Bierchen, es werden auch Karten gespielt –
einige verlassen die Flamme doch recht aufgewühlt…
da haben die Fans wieder zuviel Sport im Fernseh´ geseh´n –
dass der Ferrari immer gewinnt, muß man auch nicht versteh´n.

Eingekehrt ist man auch in die „Linde“, zur Frau Ida Heine,
so geschäftstüchtig wie die war lange Zeit keine.
Es ist schon eine Ewigkeit her, dass man Kurgäste sah,
die „Idda“ hatte ein Hotel und ´nen Laden Edeka.
Sie schmiß das Gewerbe mit Siegfried, ihrem Sohn,
auch Helferinnen standen bei ihr in Brot und Lohn.
Zu Zeiten des Aufschwungs wurden im Saal gefeiert die Feste,
als sie wegzog, hinterließ sie Heddersdorf multikulturelle Gäste.

Als Gäste eingeladen werden gerne Muttis am Morgen,
die reihum untereinander für leckeres Frühstück sorgen.
Anlässe für´s Kränzchen lassen sich jederzeit finden,
vielleicht sollten die ´mal ´nen Frühstücks-Verein gründen.
Früher fanden Frauenrunden in den Abendstunden statt,
in der „Spinnstube“ jede einzelne Handarbeit gemacht hat.
Das Treffen von weiblichen Wesen hat schon ewig Tradition,
die gerne übernommen wird von Generation zu Generation.

In zweiter Generation hier im Dorf gibt´s ´nen Schreinermeister,
geht um mit Hobel, Fräse und Flex – Karl Diebel heißt er.
Seine Arbeit ist präzise, immer hat er ´n Bleistift hinter´m Ohr,
doch oft geht beim Karl auch die Freizeit vor.
Begeisterter Sportsmann, Formel 1-Fan und Pizzabäcker,
seine Frau Karin ist mit um die 40 auch noch ganz lecker.
Sie lehrt der Jugend tolle Tänze zur Musik,
die Garde zu sehen, verdient jeden Blick.

Ein weiteres Handwerk hat in der Dorfstraße sein Bestehen,
zum Schlachten kann man zu Jörg Scheidemantel gehen.
Er verkauft Grillgut und Fleisch, helfen tun ihm seine Lieben,
die Leute holen Wurstspezialitäten – mit und ohne Grieben.
Früher hielt man sich die Wuzz, es wurd´ daheim geschlacht´,
das haben die Herren Ackermann und Scheidemantel gemacht.
Der Haushalt stand kopf, am Haken hing das Schwein,
abends flossen beim Schlachtekohl-Schmaus die Klaren ´rein.
Einer, der auch schlacht´ – und zwar das Federvieh,
ist Migge Gerhard, seine Gänse erleben Weihnachten nie!
Ab Mai sieht man ca. 40 Stück sich am Kittelbach erfrischen,
im Advent landen Thea und Freunde als Braten auf den Tischen.

Seit Menschengedenken macht man das Vieh als Nahrung kalt,
besser geht´s da den Tieren im heimischen Wald.
Den zu pflanzen halfen damals Gruppen von Frauen,
Bäumchen für Baum wurd´gesetzt, um den Bestand aufzubauen.
Förster Sinning hat Martha Eckhardt, Anni Gerlach und die Dorthel eingewiesen,
dabei waren Koch´s Margret, Lotte, Marie und ebenso zwei Anneliesen.
Schwalm´s Annemarie, ´s Ännchen und die Bebbi setzten Kiefern und Fichten,
auch Käthe Wagner, Elisabeth Diebel und die Erk´sche konnten Stecklinge richten.
Die hatten mächtig Spaß dabei, sie schwatzten und lachten,
und auch sicherlich ihre Witzchen über die Kerle machten.
Ganze solche ebenfalls zur Arbeit in den Holzwald gingen,
August Steinert und Krämer´s Hein können ein Lied davon singen.
Der Helmut Berk und der Heinrich Vaupel waren dabei,
sowie Ernst und Hans Peter sägten die Bäume entzwei.
Heute geh´n die Männer in den Wald, um zu spähen,
was die wohl alles durch´s scharfe Fernglas sehen?
´n Bock in der Hirschbach, vielleicht noch ´ne Sau vor den Tannen,
abends in der Dämmerung ziehen die Grünröcke von dannen.
Horst Fälber und der Arnold sind dabei – sowie sein Onkel Horst,
mit der Flinte im Anschlag pirschen sie durch Heddersdorf´s Forst.

Auch ein Freund der Natur kam aus der Stadt hier an,
ist Rechtsanwalt und Notar – sein Name Meinhard Goldmann.
Wohnt in Döring´s Haus, welches steht in der Nähe vom „Rasen“,
da sagen sich ´Gut´Nacht` die Füchse und ebenso die Hasen.
Sein Name endet auch mit –mann, nämlich der vom Hans,
Gründer eines Fuhrgeschäfts, das jetzt heißt „LiKi-Trans“.
In ´56 fing er an, fuhr Holz im Wald mit einem Zug,
aber das war dem gelernten Schuster auf Dauer nicht genug.
Mit Hilfe seiner Sippe kam dazu der Fernverkehr,
doch dann genügte der Platz hinter seinem Haus nicht mehr.
Die Firma zog nach Kirchheim, ins Industriegebiet rein,
so eine Spedition muß gewiß an der Autobahn sein.

Das Fahren auf Rädern ist auch Georg Wenzel´s Bestreben,
nie möcht´ er ohne seine geliebten Zweiräder leben.
Die Texaco-Tankstelle fand einst auf dem Hof ihren Platz,
im Keller hütet er gar manchen Ersatzteile-Schatz.
Einkaufen kann man noch bei Wenzel´s, gezahlt wird nur mit Bargeld,
die Familie so die Tante-Emma-Laden-Tradition aufrechterhält.
Erhalten werden konnte jedoch nicht die Post auf´m Land,
die über 30 Jahre bei Konrad Horn im Grabenweg bestand.
Vom Nachbar Stiebing übernommen, dem Fachmann für Möbelschreinerei,
machten die Leute bei Horn´s ihre globalen Versandstücke frei.

Eine Frau von Welt lebte einst in unseren Kreisen,
Gisela Schimmelpfeng hat sie geheißen.
Aus Düsseldorf kam sie in den Ziegeleibetrieb,
von dem leider nur die Villa übrigblieb.
Um´s Dorf herum in Kauten abgebaut wurde Lehm- und Tonerde,
zum Ofen ziehen mussten die Kipploren wirklich starke Pferde.
Das Werk der Familie hat Arbeit für viele gebracht,
am Ende hat das Feuer alles zunichte gemacht.
Schimmelpfeng´s Heinz hatte ´n Narren an Pferden gefressen,
auch der Heinz Abel hat etliche davon besessen.
Nach Heddersdorf kam er und genoß sein Glück,
aus der alten Schule machte er ein schmuckes Stück.
Dorthin gingen die Kinder des Dorf´s – nahmen Tafel und Kreide mit,
unterrichtet wurden sie bis ´66 von Herrn Hellmuth Schmitt.
Die Schüler haben sich stets gern zum Lernen eingefunden,
des Lehrers Familie blieb Heddersdorf bis heute eng verbunden.

Jetzt wohnen Bunk´s auf dem Grund an den Gleisen,
zwei Häuser weiter übt man, die Hüften zu kreisen.
Da leben zwei Menschen, die sind wirklich ganz nett,
es ist der Gordon Lockart mit seiner Frau Elisabeth.
Bei ihr lernt man Entspannung und Yoga – ´s etwas esoterisch angehaucht,
der Schotte ist stets zur Stelle, wenn man ihn für Neubauten braucht.
In Knierim´s altem Fachwerkheim tüftelt er die Pläne aus,
ein Beispiel seiner Arbeit ist das neue Dorfgemeinschaftshaus.
Da is´ jetzt was los, die Leute strömen, um Feiern zu besuchen,
und im neuen „Cafe´ am Radweg“ gibt´s regelmäßig Kaffee und Kuchen.
Gemütlich sitzt ´s sich da, die Besucher kommen geradelt oder zu Fuß,
vom Aulastrand aus man der „Fischerin“ ihre Betunien bewundern muß.
Natürlich steht hinter´m Radcafe´ auch ein Verein,
es dürften im Moment an die fünfzehn Mitglieder sein.
Man darf den Schweiß und die Mühen der Fleißigen nicht unterschätzen,
sie kümmern sich um alles – von der Auswahl der Kuchen bis zu den Sitzplätzen.
Dem Club sitzt vor die Silvia, die macht das gerne und gut,
die Backfreunde zaubern Torten, wie Kaninchen aus´m Hut.

Sie hat auch in Kirchheim unser Jubiläum entdeckt,
auf einer Tafel im Rathaus, ganz klein und versteckt.
Eingeprägt ist die Zahl 1327 in den Bronzestein,
Mensch, daraus muß doch was zu machen sein!
Was der Zufall ihr zeigte, das ließ sie nicht ruh´n,
als Tochter des Dorf´s wusste sie, was war zu tun.
Verantwortliche staunten nicht schlecht, als die Silvia anrief,
man plante eilends eine Fahrt nach Marburg in´s Archiv.
Schnell war klar, dass nur von dort kommt die Grundlage –
eine Urkunde musste her, um ein Fest zu feiern mehrere Tage.
Aber wenn man nun 1327 und 675 zusammenzählt,
wird bald gemerkt, dass ein einziges Jahr doch fehlt.
Sicherlich ging schon damals ein Jahr Bürokratie in´s Land,
bis „Hertwigesdorf“ seine urkundliche Ersterwähnung fand.

Nach mühsamer Theorie folgte die Praxis – und wie kann es anders sein,
Heddersdorf setzte sich zusammen und gründete erst ´mal ein Verein.
Mit dem Vorstandsgespann Hartmut, Karin, Andrea, Stefan und Tanja hatte man Glück,
gewählt wurden auch Hermann Reuber, Astrit Fischer und Erika Lück.
So ein Fest auf die Beine zu stellen ist schon eine Leistung,
mit einbezogen wurde das Dorf und dessen Bürger Meinung.
Nun sind wir alle gekommen, um zu feiern im August,
genießen Heddersdorf – Heimat und Kultur nach Herzen´s Lust.

Stund´ um Stund´ hab´ ich über den Versen gesessen,
bestimmt hab´ ich das eine oder den anderen vergessen.
Alles kann ich auch nicht wissen, denn ich hab´ den Fortgang gewagt,
dass Heimweh Schmerzen bereitet, hat mir keiner gesagt.
Aber ich möcht´ Euch sagen, bleibt gesund, seid fröhlich und haltet zusammen,
vergesst nicht, Euren Kindern zu erzählen, von welch´ schönem Fleckchen Erde sie stammen.

© Gabriele – geb. Linnemann - Marschollek